Korbach (Ib). Weiche Knie, Konzentration und dann der erlösende Applaus: Für 120 Korbacher Musikschüler war das Adventskonzert in der Nikolaikirche am Donnerstagabend ein ganz besonderes Ereignis.

Wie im Bienenstock geht es zu in der Nikolaikirche: Kinder schwirren aufgeregt zwischen den Bänken, halb auseinandergeklappte Notenständer in der Hand, Instrumente und Notenblätter unter den Arm geklemmt. Noch eine Viertelstunde, bis das Konzert beginnt. Die Reihen füllen sich mit Eltern, Großeltern und Geschwistern, das Lampenfieber steigt. Fünf Ensembles und fünf Solisten wollen zeigen, was sie im abgelaufenen Jahr gelernt haben, insgesamt rund 120 junge Musiker haben ihren großen Auftritt.

Pfarrer Günter Engemann begrüßt die Besucher. Den Anfang macht das Suzuki-Geigen-Ensemble unter der Leitung von Amitrya Mogalla mit internationalen Weihnachtsliedern. Eine Violine verzeiht wenig: Setzt der Bogen minimal schief auf, gibt es schräge Töne. Doch die Jungen und Mädchen haben den Bogen raus. Den ersten Satz aus Vivaldis Violinkonzert a-Moll interpretieren anschließend Friederike Kobel, Laura Gallenkamp und Christoph Pütz sowie Yevgenija Schott am Klavier. Gitarrist Marian Klapp trägt das Präludium BWV 999 von Johann Sebastian Bach vor, ein Werk aus dem Pflichtrepertoire anspruchsvoller Gitarrenliteratur.

Die Bläserklasse der Grundschule Goddelsheim und der Musikschule Korbach spielt unter der Leitung von Judith Pohlmann und Michael Kuhaupt deutsche Weihnachtlieder. Johanna Heide (Querflöte) und Jouri Zak (Klavier) haben den zweiten Satz aus dem Konzert D-Dur von Franz Anton Hoffmeister einstudiert. Die Block-flötenensembles unter Barbara Gerhold steuern ebenfalls Weihnachtlieder bei sowie eine Pavane eines englischen Meisters. Die Siciliana von Georg Philipp Telemann tragen Johanna Wagner (Blockflöte) und Barbara Gerhold (Klavier) vor, gefolgt vom ersten Satz aus Beethovens Sonate op. 49, Nr. 2 durch Eva-Maria Gassner am Klavier.

Das Gitarrenensemble mit Tobias Hecker beteiligt sich mit Mozarts Kanon "Bona nox", mit einem Ballett aus "Croesus" von Reinhard Keiser und mit einem "Ave Maria zart" von Johann Georg Braun. Ihre mächtigen Tubas lassen Gero Seifahrt und Tobias Blume mit "When lo, by break of morning" von Thomas Morley erschallen. Schließlich spielt das Nachwuchsorchester unter der Leitung von Rainer Horn zum glanzvollen Abschluss den ersten Satz aus der Feuerwerksmusik von Händel und ein internationales Weihnachtliedermedley


Quelle: WLZ vom 20. Dezember 2008

Wie große Hausmusik

Adventskonzert der Musikschule ließ Zuhörer den Weihnachtsstress vergessen

Von Astrid Rau

KORBACH. Zur beliebten Tradition sind die Adventskonzerte geworden, zu der Lehrer und Schüler der Korbacher Musikschule seit einigen Jahren in die Nikolaikirche einladen. Donnerstagabend waren wieder so viele Angehörige und Freunde der Auffuhrenden gekommen, dass die Kirche fast so voll war, wie zu Weihnachten.

Was bei Auftritten der Korbacher Musikschulgruppen so inspirierend wirkt, ist, dass sich hier Musiker vom Kindergarten- bis zum Seniorenalter gemeinsam vorstellen, wie bei einer großen Häusmusik im Familien- und Freundeskreis. Es sieht putzig aus, wenn man eine große Schar geigender Kinder vor sich hat, die emsig bemüht sind, die Eltern zu beeindrucken. Weil man bei diesem Anblick den ganzen Vorweihnachtsstress schnell vergessen kann, war es eine gute Idee, das Suzuki-Geigenensemble von Amitrya Mogalla mit seinen Weihnachtsliedern an den Anfang zu setzten.

Selbstbewusst präsentierten sich mit Christoph, Friederike und Erika drei der Streicherkinder solistisch. Zur Klavierbegleitung von Yevgenia Schott spielten sie eines der Muss-Stücke eines jeden Geigenschülers - das Allegro aus Antonio Vivaldis a-Moll-Konzert.

Perlende Töne

Ein Vorbild vieler Korbacher Gitarrenschüler ist sicher Marian Klapp, der eine hörenswerte Interpretation des Lauten-Präludiums BWV 999 von Sebastian Bach vortrug. Wie Klapp brachte später Tobias Heckers mit seinem Gitarrenensemble mit sanften, perlenden Tönen ihrer Zupfinstrumente Augenblicke von Zeitlosigkeit und Ruhe in das Konzert.

Ruhigere Klänge

Was wie ein "Trau dich!" für erwachsene Zuhörer wirkte: Diese Gitarrengruppe bestand ausschließlich aus Erwachsenen und war der sicht- und hörbare Beweis, dass man sich auch in fortgeschrittenerem Alter noch in der Musik verbessern kann und sollte.

Ebenfalls ruhigere Klänge kamen von den Flötenensembles, deren Mitglieder bei Barbara Gerhold lernen. Es wäre begrüßenswert, wenn man jene jungen Solisten, die eine hübsch musizierte Pavane vertrugen, auch an andere Stelle,
etwa in Gottesdiensten hören könnte. Das Gleiche gilt übrigens auch für Johanna Heide, die zu Klavierbegleitung von Jouri Zak ausdrucksstark die Flötenstimme eines Konzertsatzes von Franz Anton Hoffmeister übernommen hatte.

Beachtenswert zeigten die Nachwuchsbläser von der Grundschule Goddelsheim und der Musikschule Korbach (Leitung: Judith Pohlmann und Michael Kuhaupt), dass man auch die schwierigen Blasinstrumente lernen kann, wenn man fleißig übt. Etwas weiter in ihren Musikerkarrieren waren die Bläser von Rainer Horns Nachwuchsorchester, die das Programm mit festlichen und weihnachtlichen Melodien würdig beschlossen.

Quelle: HNA vom 20. Dezember 2008


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